Besuch beim Pferdezahnarzt
Auch Pferde müssen mal zum Zahnarzt
Scharfe Kanten, Haken, faule Zähne oder Fehlstellungen finden sich in fast jedem unbehandelten Pferdemaul. Mittlerweile spezialisieren sich immer mehr Tierärzte auf Zahnbehandlungen beim Pferd.
Das Futter wird nicht mehr richtig aufgefressen, dass Pferd ist hart im Maul, klemmt sich das Gebiß fest. Da liegt der Verdacht nahe, mein Pferd hat ein Zahnproblem!
Also Tierarzt angerufen, der dann auch am nächsten Tag erschien. Ich muss sagen, es mutet schon irgendwie mittelalterlich an, als er eine Riesenraspel rausholte und damit auf mein Pferd zuging. Erstaunlicherweise blieb meine Stute ruhig, der TA konnte ohne Nasenbremse, Sedierung o.ä. arbeiten. Ich hielt sie lediglich am Halfter, während der TA zunächst mit dem Finger die Zähne abfühlte und auch prompt Haken feststellt. Für mich öffnete er das Maul meiner Stute und ich konnte die scharfen Kanten mit bloßem Auge erkennen. Kein Wunder das sie nicht mehr richtig fressen kann. Der TA setzt die Raspel seitlich an und raspelt mit kurzen aber präzisen Bewegungen die Haken ruckzuck weg. Ich kann gar nicht hinsehen. Der Gedanke, dass jemand an mir so rumraspelt läßt mich erschauern. Mein Pferd sieht das anders. Es macht ihm offensichtlich nicht das geringste aus!
2 Minuten später ist schon alles vorbei, die gereichten Möhren verschwinden in Nullkommanix im zufrieden kauenden Pferd.
Nun komme ich endlich dazu mir die Hintergründe vom TA erklären zu lassen.
Ein ausgewachsener Hengst besitzt 44 Zähne, eine Stute 36 bis 40. Pferde haben wie wir ein Milchgebiss und ein endgültiges Gebiss. Das Milchgebiss wird bis zum fünften Lebensjahr durch das Bleibende ersetzt. Nun verändert sich die Form der bleibenden Zähne im Laufe des Lebens natürlich. Der Gebisschluss kann sich dadurch negativ verändern und durch die jahrelangen seitlichen Mahlbewegungen beim Fressen entstehen scharfe Kanten, die ein Fressen sogar unmöglich machen können. Folge davon kann sein, dass das Pferd sein Futter unzerkaut schluckt, was wiederrum eine Kolik zur Folge haben kann.
Fazit:
Bei der jährlichen Schutzimpfung sollte man auf jeden Fall die Zähne überprüfen lassen, das erspart einem im Zweifelsfall sicherlich jede Menge Ärger und teure Tierarztrechnungen.
Über den Autor, Freia Schultz-Friese
Freia Schultz-Friese ist dem Pferdesport seit frühester Kindheit verschrieben, und bleibt bis heute den Pferden treu. Sie betreibt den Reit- und Fahrsport aktiv mit eigenen Pferden seit nunmehr über 25 Jahren. Viele Disziplinen hat sie seither ausprobiert. Ihre alten und neuen Erfahrungen bringt sie in den Artikeln des Pferdekuriers ein.